Jean Raspail: Das Heerlager der Heiligen – Neuübersetzung

Das Heerlager der HeiligenEs gilt, die gelungene Neuübersetzung des visionären Romans Das Heerlager der Heiligen des in Frankreich mit diversen Preisen ausgezeichneten Autors Jean Raspail (*1925) anzuzeigen. Die vorherige dt. Ausgabe war nicht nur grauslig übersetzt, sondern auch um rund 200 Seiten gegenüber dem Original gekürzt.

Raspail hatte früh ein Interesse am Schicksal von dem Untergang geweihten indigenen Völkern gezeigt, zu denen ihn in den 1950er und 1960er Jahren mehrere Expeditionen führten. Davon handelten seine ersten und auch spätere Bücher. Das 1973 erschienene Heerlager nahm in einer ironischen (oder soll man sagen: zynischen) Dystopie den Untergang der indigenen Europäer ins Visier.  In einer Art Spontaninspiration hatte er 1971 am Strand des  Mittelmeeres die Vision eines Masseansturms verarmter Menschen aus der Dritten Welt – und vor allem seiner Folgen. Liest man den Roman mit dem Abstand von über 40 Jahren, traut man kaum seinen Augen: Das Einknicken der Politiker, das Unterminieren des Selbstbehauptungswillens der Nation durch die Wühlarbeit von Medien, Intelligenzija, Klerus und Größen des Show Biz – all diese und weitere heute nur allzu bekannten Phänomene und Zeichen des Zerfalls einer Kultur hatte Raspail mit sicherer Intuition vorhergeahnt und künstlerisch gestaltet. – Raspails Buch liest sich freilich manchmal ein bißchen wie ein Thesen-Roman mit etwas holzschnitzhaften Charakteren, die oft als Sprachrohre des einen oder anderen Gedankens dienen. Diese Vereinfachung wird jedoch aufgewogen durch eine überbordende Fülle überraschender, bisweilen bizarrer Szenen, die sich gerade durch manche Parallelen zur Gegenwart unvergeßlich einprägen.

Die Sache nimmt keinen guten Ausgang, und im Vorwort zur frz. Neuausgabe schrieb Raspail 2011:

„Jedesmal, wenn in meiner Familie oder in meinem Freundeskreis ein Kind geboren wird, kann ich es nicht ansehen, ohne an das Schicksal zu denken, das sich durch die Fahrlässigkeit unserer europäischen und französischen Regierungen über ihm zusammenbraut, und dem es sich stellen muß, wenn es das Erwachsenenalter erreicht haben wird. … Diese kommenden Zeiten werden grausam sein.“

Hingewiesen sei noch auf das luzide Audio-Interview mit Martin Lichtmesz, dem jungen Neuübersetzer des Romans sowie die darin erwähnte FAZ-Rezension von 2005.
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s.a.
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