„Friedensmesse“ & Dschihad – Wie passt das zusammen?

Landauf, landab wird seit geraumer Zeit die »Friedensmesse« des walisischen Komponisten Karl Jenkins aufgeführt (The Armed Man – A Mass for Peace). Eine erste oberflächliche Google-Suche ergab allein für dieses Jahr mindestens vierzehn Aufführungsorte im deutschsprachigen Raum.

Nun ist eine »Friedensmesse« zweifellos ein höchst lobenswertes Projekt. Jenkins hat sie den Opfern des Kosovokrieges von 1998/99 gewidmet, die Uraufführung fand am 25. April 2000 in der Royal Albert Hall zu London statt. Das Stück beschwört die der Menschheit stets drohende Kriegsgefahr und endet mit der Hoffnung auf Frieden im neuen Jahrtausend.

»The Armed Man« (Der bewaffnete Mensch) basiert im Kern auf der katholischen Messe. In einer aktuellen Aufführungsankündigung lesen wir:

»Es handelt sich bei dieser Mass for Peace nicht um eine strenge Messvertonung im herkömmlichen Sinne, sondern sie nimmt Texte aus verschiedenen religiösen und kulturellen Traditionen auf und verbindet sie zu einem großen Spannungsbogen. So verwendet Jenkins beispielsweise Texte aus dem Alten und Neuen Testament, aus dem altindischen Heldenepos Mahàbhàrata, ein Gedicht eines Überlebenden des Atombombenangriffs auf Hiroshima und andere mehr und verbindet sie mit den Messteilen Kyrie, Sanctus, Agnus Dei und Benedictus und vertont sie in den unterschiedlichsten Stilen und musikalischen Formen. Neben klassischen und romantischen Formen und Harmonien, wird der Hörer auch Elemente der Filmmusik, folkloristische oder gar rockige Elemente wahrnehmen können. Auf diese Weise gelingt es dem Komponisten, die zugrundeliegenden Texte aus verschiedenen Epochen, Religionen, Kulturen und Sprachen in eine kraftvolle, aber auch nachdenkliche, aufrüttelnde und bewegende musikalische Sprache umzusetzen.«

Eine großartige Idee, nicht wahr? – Was hat allerdings der muslimische Schlachtruf »Allahu akbar« in einer »Friedensmesse« verloren? Nach dem Auftakt mit marschierender Armee, Trommelklang und dem Eingangschor, der das titelgebende französische Volkslied des 15. Jahrhunderts singt (»L’homme armé«), hat Mr. Jenkins nämlich einen »Moment der Reflexion« eingelegt – der mit dem vierfachen »Allahu akbar« des Muezzinrufs anhebt, gefolgt vom Kyrie als Einleitung der Bezüge zur christlichen Messe …

Der Moslem Nurullah Bayram ließ im April 2011 den Muezzinruf in der katholischen Pfarrkirche Knetzgau inmitten des Chors der Ahnungslosen ertönen. -

Das ist weder ein Scherz noch ein hintersinniger Verfremdungseffekt, der die Illusionen der Zuschauer mit der Realität konfrontieren und so einen Nachdenkprozess in Gang bringen soll. Das ist das genaue Gegenteil von Aktivierung kritischen Bewußtseins mit den Mitteln des epischen Theaters, nämlich Hinters-Licht-Führen der Ahnungslosen durch einen Ahnungslosen, der seine Ahnungslosigkeit für Reflexion hält – und den insofern auch keine Schuld trifft. Außerdem lag der 11. September 2001 ja noch in der Zukunft, als Jenkins sein postmodernes Potpourri aus Versatzstücken verschiedenster Traditionen und Religionen anrührte. Der Welt stand noch jener Massenmord im Namen Allahs bevor, den ein gewisser Mohammed Atta mit eben jenem Schlachtruf »Allahu akbar« (»Allah ist der Größte«) auf den Lippen beging, mit dem die Jenkinssche Friedensmesse in ihren nachdenklichen Teil überleitet. »Wenn die Konfrontation beginnt,« schrieb Atta in seinem Testament, »schlagt zu wie Helden, die nicht in diese Welt zurückgehen wollen. Ruft „Allahu Akbar“, denn dies wirft Angst in die Herzen der Ungläubigen. Allah sagte: „Schlagt ihren Nacken, und schlagt alle ihre Glieder ab.“«

Wer heute die Jenkins-Messe ohne kritische Distanz zu dem darin enthaltenen Schlachtruf aufführen läßt (s. Bericht über Aufführung in Knetzgau), offenbart eine erschreckende Ignoranz. Vorsatz, Dummheit, Gleichgültigkeit? Eigentlich kann heute niemand mehr Ahnungslosigkeit für sich reklamieren, denn es liegen genügend Informationen über die vom »Propheten mit dem Schwert« gegründete Religion vor, ihre Gewaltimmanenz in Verbindung mit globalem Herrschaftsanspruch, daß wissen kann, wer wissen will. Aber da liegt wohl der Hase im Pfeffer: Das breite klerikal-politisch-mediale Bündnis jener, die eine Wunschsicht des Islam pflegen, um ihre multikulturellen Illusionen nicht revidieren zu müssen.

Das Phänomen ist als Wahrnehmungsverweigerung wohlbekannt. Eric Voegelin hat 1964 in seiner Vorlesung über »Hitler und die Deutschen« den vorsätzlichen Wunsch, nicht zu verstehen als das Markenzeichen jener Mentalität diagnostiziert, die dem Versagen der politischen und geistigen Eliten gegenüber dem Nationalsozialismus zugrunde lag.

Aber vielleicht sollten wir die Kirche einfach im Dorf lassen. Aufs Gesamt des musikalischen Kunstwerks bezogen, ist jener Moment der »Reflexion« ja nur ein recht kurzer Moment, der manchen Kunstgenüssler wahrscheinlich bloß an romantische Urlaubstage in orientalischen Gefilden erinnert. Na denn mal Prösterchen. Niemandem soll der Spaß an Kultur verdorben werden durch den Hinweis, daß sich in der Friedensmesse des Karl Jenkins eine versteckte Kriegserklärung an uns Menschen des Abendlands verbirgt. Karl Kraus hat in »Die dritte Walpurgisnacht« sehr schön den Jubel des Völkischen Beobachters darüber beschrieben, daß die Deutschen 1933 freudig »aller Differenziertheit des Intellekts entsagen lernten«, um ihrem neuen Führer begeistert zu folgen. Als Form höherer Dummheit hat »Weltanschauung« in Deutschland eben eine wahrlich große Tradition.

*

P.S. Daß es auch anders geht, wird im hessischen Schlüchtern gezeigt. Dort wird „The Armed Man“ am kommenden Pfingstsamstag 11. Juni 2011 im Rahmen des Bergwinkel-Kirchentags aufgeführt – ohne Muezzinruf. Der entsprechende einstimmige Kirchenvorstandsbeschluß sollte beispielgebend für weitere Aufführungsprojekte sein.

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