Antwort auf Thomas Wendels Rezension

Kommentar zur Rezension des Sammelbandes „Gegen die feige Neutralität“ auf indymedia

am 14. August 2008 21:54 Uhr eingestellt auf indymedia

Sicher ohne böse Absicht hat Herr Wendel das von mir verwendete Zitat aus Karl Poppers „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ verkürzt widergegeben. Hier daher das vollständige Zitat im Kontext des letzten Absatzes meines Textes:

>> Hier könnte das zweite Paradox der Toleranz Leitschnur sein, das der Philosoph Karl Popper angesichts des roten und braunen Terrors 1944 wie folgt formulierte: „Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die unbeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranten zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“ Wir sollten daher „für uns das Recht in Anspruch nehmen, sie, wenn nötig, mit Gewalt zu unterdrücken“. <<

Daraus dürfte ersichtlich sein, daß dieses Recht auf Selbstbehauptung der Toleranten sich nicht pauschal gegen Muslime richtet, sondern gegen jene Islamisten, die als Feinde unserer offenen Gesellschaft agieren.

An dieser Stelle sei einmal darauf hingewiesen, daß Toleranz eine Bringschuld des Tolerierenden beinhaltet: Er hat etwas zu ertragen, was ihm u.U. zutiefst gegen den Strich geht. Insofern gibt es einen großen Nachholbedarf auf Seiten der Linken, wo die Tendenz besteht, Toleranz einseitig als Bringschuld des politischen Gegners zu verstehen, linke Positionen zu ertragen, ohne selber diesen politischen Gegner im Sinne wohlverstandener Toleranz anzuerkennen. Von anderen „Toleranz“ fordern und dabei selber intolerant sein, wird auf Dauer niemanden überzeugen und die Entwicklung einer Kultur der Toleranz eher behindern als fördern. Wechselseitigkeit ist eben eine Grundbedingung von Toleranz.

Immerhin freut es mich, zu sehen, daß Herr Wendel den Anstand besaß, in seinem Beitrag die Abqualifizierung der Bürgerbewegung PAX EUROPA als „völkisch-rassistisch“ zu streichen. Nichts wäre falscher als dieses Attribut. Das kann man natürlich nur wissen, wenn man die Menschen persönlich kennt, die sich hier in Sorge um die Zukunft ihres Landes zusammengefunden haben. Das Spektrum der Orientierungen reicht von ziemlich links bis ziemlich rechts, und das ist gut so. Unsere Grundidee ist die der die politischen Lager transzendierenden „Regenbogenkoalition“ – was für jeden ein gerüttelt Maß Toleranz erfordert. Insofern ist Pax Europa ein Laboratorium der Toleranz. Nazi-Ideologen habe ich hier noch nicht getroffen, und sie würden auch nicht toleriert. Hier ist die Grenze im Sinne Karl Poppers. Von daher bedauere ich auch, daß Herr Wendel schreibt: „In der Selbstdarstellung des Vereins heißt es man lege „Wert darauf, sich klar von Rechtsextremisten und Ausländerfeinden abzugrenzen und [...] diese nicht auf[zu]nehmen“.[3] Doch dies kann mensch getrost unter strategischen Lippenbekenntnissen abheften.“

Wie kommt Herr Wendel zu diesem diffamierenden Urteil, ohne sich persönlich ein Bild gemacht zu haben? Leichthin dem Anderen – dem geistig „Fremden“ – unlautere, verkappte Ziele zu unterstellen, zeugt jedenfalls nicht von Toleranz.

Ich will nicht von Menschenverachtung sprechen, aber an dem Text von Herrn Wendel fällt auf, daß er das Buch, das er bespricht gar nicht kennt (außer meinen Aufsatz, der online steht). Dafür schießt er sich auf die Autoren ein, ohne auf deren Aussagen einzugehen. Für eine Rezension ist das schlechter Stil. Sollte der Erwerb des nicht gerade billigen Bandes ein Hartz IV-Problem sein, würde ich ihm den Band gerne kostenlos zur Verfügung stellen.

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